Sprache wird Herausforderung
NÖN, 19. April 2011 - INTERVIEW / Regisseurin Bettina Hering im Interview mit Leopold Kogler über den Theatersommer Haag und über das heurige Stück „Ein Sommernachtstraum".

Bettina Hering konnte bereits 2009 in Haag mit der Regie von „Cyrano von Bergerac" große Erfolge feiern. FOTO: ZVG
NÖN: War „Ein Sommernachtstraum" ein Wunsch von Ihnen oder kam der Vorschlag von Gregor Bloéb?
Hering: Der Vorschlag, den „Sommernachtstraum" auf die Haager Bühne zu bringen, kam von mir, fand aber sowohl bei Gregor Bloéb wie auch beim ganzen Team gleich großen Anklang.
NÖN: Der Erfolg von „Cyrano von Bergerac" beim Theatersommer Haag 2009 ist eine Bestätigung fiir Ihre Regie. Es gab jubelnde Kritikerstimmen und auch das Publikum war hellauf .begeistert. Gibt es da nun einen inneren Druck?
Hering: Es hat mich natürlich sehr gefreut, dass „Cyrano von Bergerac" sowohl beim Publikum als auch in der Presse ein toller Erfolg war. Aber wie heißt es so schön: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.
Ich gehe ganz frisch an den „Sommernachtstraum" und lasse weder Druck noch Vergleiche aufkommen. Spannung bringt das Inszenieren sowieso mit sich, daneben braucht man aber einen freien Kopf und viel Energie, mit Druck lässt sich das schlecht vereinbaren.
NÖN: Sind die Rollen alle vergeben und haben Sie quasi ein junges „Dreamteam", und was interessiert Sie besonders bei Shakespeares „Sommernachtstraum"?
Hering: Ja, alle Rollen sind besetzt und ich bin sehr glücklich, wieder ein tolles Ensemble für diese große Aufgabe zu haben.
Das Schöne an dieser Truppe ist, dass verschiedene Generationen und unterschiedlichste Bühnen-und Filmerfahrungen zusammenkommen, das ist für jeden einzelnen der Schauspieler und Schauspielerinnen interessant - und für mich erst recht!
Was mich besonders am „Sommernachtstraum" interessiert? Der „Sommernachtstraum" ist ein so vielschichtiges Stück, dass man fast überlegen müsste, was einen nicht interessiert!
Mich fasziniert vor allem das Prinzip der „zwei Seiten einer Medaille". Gerade bei uns, wo Florentin Groll Theseus und auch Oberon verkörpert, Babett Arens Hippolyta und Titania, die Handwerker auch die Elfen sein werden und Puck überall sein Unwesen treibt, wird dieser Aspekt wichtig werden: Wie viele und was für Seiten haben diese Figuren, aber auch wir alle, in uns? Wie schnell kann man von der einen Verfassung in die andere wechseln, wie korrespondieren die miteinander und wohin richten sich unsere Sehnsüchte und Wünsche?
NÖN: In diesem Stück stehen mythologische Inhalte, die vielfältig gedeutet werden können. Sie haben gewiss schon konkrete Vorstellungen. Verraten Sie uns davon etwas?
Hering: Insgesamt wird es sicher eine Inszenierung sein, die an unsere Zeit anschließt, sowohl von der Ausstattung wie auch von der Musik.
Die Sprache, die bei Shakespeare von äußerster Bedeutung ist, wird für die Zuschauer und die Darsteller eine Herausforderung: Sie transportiert nicht nur den Inhalt, sondern baut auch eine Brücke zur Shakespeare-Zeit, wenn auch die Übersetzung nicht ganz so alt ist. Durch diese Sprache tauchen wir in Zeiten ein, wo andere Gesetzmäßigkeiten herrschten, aber auch ein anderes Wissen um die und das Leben mit der Mythologie. Die Themen, die Shakespeare in seinem Stück verarbeitet, sind heute aber auch immer noch aktuell. Und so werde ich versuchen, eine Symbiose zu gestalten: Den Stoff aktuell zu halten und trotzdem nicht zu vergessen, wo er herkommt.
NÖN: Eine klassische Schlussfrage: Pläne, Träume?
Hering: Da bin ich abergläubisch, solange Dinge nicht unter Dach und Fach sind, sind sie auch nicht spruchreif. Und in dem Zustand befinden sich noch einige meiner Pläne.
Konkret mache ich als nächstes „Literatur im Nebel", ein Literaturfest, das in Heidenreichstein stattfindet und zu dem wir jedes Jahr für zwei Tage einen international bekannten Schriftsteller einladen. Bekannte Schauspieler lesen aus dem Werk - wie etwa Senta Berger, Sophie Rois, Michael Maertens oder Karl Markovics. Träume? Viele tolle Regieangebote von vielen verschiedenen Theatern!
