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17.04.2011 08:00 Alter: 5 Jahre
Kategorie: Presseartikel
Von: Veronika Schmidt

Das Hörspiel ist garantiert nicht tot

Die Presse - 17. April 2011 - Er hat die Auszeichnung des »Schauspielers des Jahres« im Hörspiel in der Tasche, ebenso den »Salzburger Stier« für die Produktion »Cordoba. Das Rückspiel«. Der »Presse am Sonntag« erzählt Cornelius Obonya, wie die Hörbiger-Enkel ihre Wege gehen, wie gern er selbst Vater ist und was er genießt, seit er nicht mehr am Burgtheater ist.


Cornelius Obonya: „Ich wusste von meiner Familie schon, dass Disziplin das Allerwichtigste im Beruf ist."
Foto: Theresia Zötl

Der Kabarettpreis „Salzburger Stier" für das Stück „Cordoba", in dem Sie mehr als zehn deutsche Dialekte sprechen, wird in Potsdam verliehen. Haben Sie sprachliche Assoziationen zu Potsdam?

Cornelius Obonya: Nein. Bei der Verleihung spielen wir „Cordoba" ganz normal, aber eine abgeschlankte Version. Ich habe zu Potsdam eine private Assoziation: Als ich von 1992 bis '99 in Berlin gelebt habe, war Sanssouci das Erste, was ich mir angeschaut habe.

Woher kommt dieses Hineinfühlen ins Sächsische, Bairische, Burgenländische, Tirolerische und in die verschiedenen Wiener Ausprägungen?

Das habe ich immer schon wahnsinnig gern gemacht. Auch wenn ich mit meinem Cousin Sascha (Bigler, Anm.) rede, der Schweizer ist, bekomme ich sofort einen leichten Akzent. Und als Rupert Henning und Florian Scheuba mit der Idee für „Cordoba" auf mich zukamen, war das für mich die Gelegenheit, die Dialekte sauber zu trainieren.

Mit welchen Dialekten sind Sie selbst aufgewachsen?

Mit dem Hochdeutsch von meiner Mutter und dem Wienerischen von meinem Vater. Und mit Tirolerisch: Meine Mutter hatte damals ein altes Bauernhaus zusammen mit ihrem Exmann auf dem Wattner Berg: oberhalb der Swarovski-Fabrik.

Unter Kulturjournalisten gab es den Streit, ob „Cordoba" Kabarett ist oder nicht.

Diese Diskussion ist typisch für Österreich: Wenn man etwas nicht festlegen kann, werden alle nervös. „Cordoba" ist Satire. Es hat im Kabarett einen Platz - und auch im Theater. Für uns drei war klar, dass die Geschichte, in der ich das Stück meiner Frau erzähle, ein Theaterstück ist, das man auch durchbesetzen könnte. Ich bin kein Kabarettist, der etwas selbst schreibt. Ich bin auch Kabarettist, weil ich da herkomme. Mein erster Bühnenauftritt war in einem Kabarettprogramm von Gerhard Bronner.

Wie prägend war Gerhard Bronner für Sie?

Ich hab den Gerhard hier kennengelernt: im Cafe Korb (lacht). Von ihm hab ich fast alles gelernt, was die Grundzüge betrifft. Ich war damals am Reinhardt-Seminar und nicht glücklich. Er hat mich vom Fleck weg engagiert, das war Learning by Doing. Gerhard war zwar immer zu einem Scherzwort aufgelegt, aber dann herrschte eine unendliche Disziplin. Aber das wusste ich von meiner Familie schon, dass Disziplin das Allerwichtigste ist.

Sie wurden - ebenso wie Ihre Mutter Elisabeth Orth - als „Schauspieler des Jahres" im Hörspiel ausgezeichnet. Spielen Sie gern mit Ihrer Mutter?

Wahnsinnig gern. Wir haben fast alles schon gemeinsam gemacht: Theater gespielt an der Schaubühne in Berlin. Wir haben am Burgtheater gespielt, Hörspiele gemacht und auch viel gedreht. Bei „Die Heilerin" waren wir direkt Mutter und Sohn.

Ist das Hörspiel eine aussterbende Gattung?

Nein, es gibt ein sehr großes Publikum für Hörspiel. Vielleicht besteht eine Gefahr, weil man mit dem Hörbuch Geld verdienen kann, das Hörspiel wird nur einmal gesendet. Aber tot ist es garantiert nicht Es gibt z. B. viele Leute, die aufgrund von körperlichen Gebrechen nicht in der Lage sind, ins Theater oder ins Kino zu gehen. Nicht, dass Hörspiel ein Versehrtensport wäre! Aber auf diese Art kriegt man unendlich viel Literatur unter die Leute.

Empfinden Sie als Enkel von Paula Wessely und Attila Hörbiger die Schauspielerei als „Familienbetrieb"?

Nein. Das Einzige, was wir im Schauspiel gemeinsam haben, ist - wenn überhaupt - der Nachname. Jeder ist für sich, jeder geht unterschiedliche Wege: Es gibt auch viele in der Familie, die nicht Schauspieler sind, aber trotzdem einen künstlerischen Beruf haben. Das hat sich so ergeben. Aber die intensive Beschäftigung mit alledem kriegt man als Kind schon mit. Ich würde es nie als Last bezeichnen: Es hat mir weder geholfen, noch geschadet. Wir drei Enkel sind froh, dass wir langsam ein Alter erreichen, wo's wurscht ist und die Karrieren so funktionieren, dass wir unsere eigenen Positionen haben. Und ich bin stolz auf die Leistungen der Altvorderen.

Sind die schauspielernden Familienmitglieder in engerem Kontakt als die anderen?

Nein, im Gegenteil. Es gibt natürlich die Gespräche über Theater, wenn wir uns einmal alle treffen - was höchst selten ist. Sonst sind wir heilfroh, wenn wir uns einfach über Kinderspielzeug und sonstige Sachen unterhalten können.

Warum sind Sie 2008 vom Burgtheater weggegangen?

Ich war neun Jahre dort. Zur Entscheidung kam es durch das Angebot für das Musical „The Producers": Die haben Schauspieler gesucht, die auch singen können. Und wenn es drauf ankommt, kann ich das. Als ich die Audition dann gewonnen hatte, musste ich mich entscheiden. Das war eine Traumrolle! Also habe ich beim Burgtheater Karenz eingereicht und hatte nicht vor, wegzugehen. Aber das Burgtheater meinte, dass ein Jahr zu lang ist und ich meinen Vertrag zurückgeben müsste. Ich
wollte die Rolle unbedingt spielen, da hab ich den Vertrag zurückgegeben.

Was vermissen Sie nun, was genießen Sie?

Ich hab es nicht eine Sekunde vermisst. Genossen habe ich die unendliche Freiheit. Ich habe Leute kennengelernt, die ich sonst nie kennengelernt hätte. Ich würde nicht zurückgehen wollen ans Burgtheater, also nicht ins Ensemble - als Gast gern.

Sie machen Film, Theater, Fernsehen, Radio und spielen auf Kellerbühnen: Wo schlägt Ihr Herz am höchsten?

Ich sehe das alles wirklich gleichwertig. Beim Wort „Kellerbühne" stellt es mir sofort die Nackenhaare auf: Der Rabenhof ist keine Kellerbühne. Auch nicht neckisch gesagt, weil so beginnt genau dieses Vorurteil. Wir sind in Österreich in der glücklichen Lage, verschiedene Theater zu haben. Bei uns werden sogar noch Theater eröffnet, wie soeben der Stadtsaal. In Deutschland werden die Theater reihenweise geschlossen. Diese Vielfalt soll man erhalten. Derzeit gibt es bei mir jedenfalls einen Herzschlag mehr fürs Drehen: Weil das eine eigene schöne Arbeitsart ist, die ich sehr gern hab.

Wie viele Produktionen drehen Sie gerade?

Bis vor Kurzem noch zwei, jetzt nur mehr eine. „Meine Schwester" wurde abgeschlossen: Christiane und Maresa Hörbiger spielen Schwestern. Das ist aber Zufall des Castings und von der Familie in keiner Weise angestrebt. Ich spiele einen Polizisten, der nicht verwandt mit einer meiner Tanten ist. Jetzt drehen wir gerade „Der Wettbewerb", in dem Harald Krassnitzer und ich Brüder spielen, die darum kämpfen, wer nachhaltiger lebt. Das ist eine Komödie, in der wir auch Informationen transportieren, die sauber recherchiert sind.

Was ist heuer noch geplant?

Ich werde „Cordoba" weiter spielen. Und nach „Der Wettbewerb" habe ich Drehpause. Im Herbst spiele ich dann an der Berliner Oper: Das Projekt ist jetzt erst im Werden. Der Filmregisseur Philipp Stölzl, der auch „Nordwand" gemacht hat, wird da Regie führen.

Haben Sie manchmal Angst, vor lauter Arbeit irgendwann nicht mehr zu können?

Es gab schon einen Moment, in dem mein Körper gesagt hat: Jetzt gib Ruh. Das war, als ich im Frühjahr 2010 „Steintaler" gedreht hab. Ich arbeite gern viel. Und bin in der glücklichen Lage, das zu können. Aber ich kann die Signale, Gott sei Dank, lesen: Dazu hatte ich schon zu viele kleine Bühnenunfälle, als dass ich nicht wüsste, was kommt. Dann schalt ich sofort bisschen runter.

Hat sich das verändert, seit Sie Vater sind?

Es ist jetzt eigentlich schlimmer. Vater bin ich geworden, als ich noch am Burgtheater war, also relativ gemütlich mit nur einer Produktion. Jetzt ist es oft so, dass Drehtage zu einer logistischen Bombe werden! Meine Frau und ich teilen uns das. Ich bewundere Alleinerziehende: Was die leisten, kann man sich nicht vorstellen. Wir beide haben uns und sind in Luxus gebettet, was Kind und Beruf anlangt. Ich gehöre auch nicht zu den Männern, die sagen, die Frau ist zu Hause und ich arbeite.

Sie genießen die Vaterrolle also?

Absolut: Ich teile mir die Tage so ein, dass ich viel Zeit mit meinem Sohn verbringe. Dann muss ich halt mal um zwei Uhr nachts Text lernen. Ich möchte nicht nachher draufkommen, was ich versäumt habe. Dazu sind mein Sohn und ich auch zu große Rabauken: Der klassische Schwertkampf um neun Uhr früh muss sein!

Herr Obonya, darf man Sie auch fragen ...

1. - wie das Erbe von Paula Wessely und Attila Hörbiger die Enkel beeinflusst?

Wir Enkel wissen, woher wir kommen, und jeder geht seinen Weg. Punkt.

2. - welche Blicke Sie ernten, wenn Sie Ihren Sohn Attila auf dem Kinderspielplatz rufen?

Durchaus eigenartige. Aber wer mich vom Fernsehen kennt, versteht schnell, warum der Attila heißt. Viel lustiger finde ich die Reaktion von türkischen Familien: Atilla, mit Betonung auf der zweiten Silbe, ist ein sehr häufiger Kindername. Wenn wir in der Türkei Urlaub machen, drehen sich 80 Familien um, wenn ich ihn rufe.

3. - ob Sie zu Hause Wienerisch reden?

Mein Sohn ist hauptsächlich mit einem deutschen Klang unterwegs, weil ich hochdeutsch rede und meine Frau, die aus Osnabrück kommt, sehr hochdeutsch redet. Aber er kann schon ein paar Brocken Wienerisch und ich werde ihm das weiter beibringen.